Ich spreche oft mit mir selbst und habe in mir einen Gesprächspartner gefunden, der sich ehrlich für mich interessiert. Ich mag das.

 

ICH: Hallo Backup! Weißt du, was gescheite Menschen machen? Sie beobachten was andere so reden und tun, denken darüber nach, entdecken Gesetzmäßigkeiten und erklären sich so – und anderen die Welt.

BACKUP: Genau. Und Gänse machen das auch.

ICH: Stimmt. Du kennst die Geschichte der Gans Martin?

BACKUP: Soweit ich mich erinnere wurde Martin – die Gans, nicht du – von Menschen gefüttert. Er war zunächst scheu und zögerte, er fragte sich: „Warum füttern die mich? Da steckt doch was dahinter.“ Die Wochen vergingen und jeden Tag kam der Bauer und warf Martin Getreidekörner vor die Füße. So langsam ließ das Misstrauen nach und nach einigen Monaten war sich Martin sicher „Die Menschen mögen mich und meinen es echt gut mit mir.“ Diese Gewissheit bestätigte sich jeden Tag aufs Neue. So war Martin von der Güte des Bauern restlos überzeugt.

ICH: Ja, das ist eine wunderbare Geschichte für induktives Denken. Wir erhalten Gewissheit durch Einzelbeobachtungen, die wir zu allgemein gültigen Modellen zusammenführen und dann als gesicherte Erkenntnis betrachten.

BACKUP: Und Martin staunte nicht schlecht, als ihn der Bauer am 11. November aus dem Gehege holte und schlachtete.

ICH: Dumm gelaufen!

BACKUP: Martin, wenn du also keine dumme Gans sein möchtest, geh achtsam mit deinen Erkenntnissen und Gewissheiten um. Es sind ja alles bloß Konstrukte und Meinungen.

ICH: Und Erkenntnisse sind keine Fakten, nur Deutungen von Fakten, Schlussfolgerungen und Annahmen…
Und trotzdem hätte ich manchmal gerne, dass alles ganz genau so stimmt, wie ich mir das zurecht denke.

BACKUP: Ich weiß. Du bist eben auch nur ein Mensch!

ICH: Und deswegen vergesse ich manchmal, dass alle Gewissheit nur vorläufig ist.