Du hast kein Mitgefühl! Du bist hart und kalt! Du bist herzlos und gemein! Diese Diagnosen des Alltags machen deutlich: Manche Menschen sind komisch. Es gibt Menschen, denen Ungerechtigkeit, Gewalt und Schicksalsschläge nahe gehen, die emotional betroffen sind, weil sie sich das Leiden von anderen zu Herzen nehmen. Und es gibt Menschen, denen all das komplett am A… (piep) vorbei geht.

 

Worin liegt die „Kompetenz“ derer, die andere beleidigen (Weil es wahr ist!), kündigen (Weil es richtig ist!), schlagen (Damit diese etwas lernen!), lügen (Weil es klug ist!), manipulieren (Weil die anderen dumm sind!), missbrauchen (Weil das geil ist!), Regeln brechen (Weil die nur für Verlierer gelten!), töten (Weil es zum Wohle der Gesellschaft ist oder was auch immer…) und dabei nichts spüren oder ein gutes Gefühl haben?

 

Was macht diese Menschen so „gut“ darin, mit mentaler Härte sich voll und ausschließlich auf den  eigenen Nutzen zu konzentrieren?

Ganz einfach: Ihr Hirn! Sie ticken anders. Seit einigen Jahren wird in der Psychologie zwischen warmer und kalter Empathie unterschieden. Warme Empathie ist das Mitgefühl. Mit diesem können wir gefühlsmäßig nachvollziehen wie es anderen Personen gerade geht. Die Spiegelneuronen lösen bei uns ähnliche Gefühle (vorwiegend in der Amygdala) wie in der wahrgenommenen  Person aus. Kalte Empathie ist das kognitive Erkennen und Deuten können von Gefühlszuständen oder Gedanken anderer (vorwiegend im anterioren paracingulären Cortex und im superioren temporalen Sulcus) ohne jegliche Gefühlsregung. Im Gehirn sind dabei jeweils andere neuronale Schaltkreise beteiligt. Warme und kalte Empathie sind daher völlig verschieden. Unser menschliches Verhalten zeigt sich im Maß der Aktivierung dieser beiden neuronalen Systeme. Menschen mit jeweils einseitig polarisierten Aktivierungsmustern leben quasi in komplett verschiedenen Welten – Wie sie wahrnehmen, denken und entscheiden. Ebenso wie und ob sie mit anderen fühlen und wodurch sie motiviert werden.

 

Die meisten Menschen sind auf dem Kontinuum zwischen warmer und kalter Empathie durch ihre Persönlichkeit und ihre Prägung auf einem bestimmten Wert. Dieser kann im Normalfall situationselastisch verändert werden. Wir können uns emotional auf Situationen einlassen oder uns sachlich distanzieren. Diese Fähigkeit der Selbstregulierung, wodurch wir gemäß unserer Werte und Bedürfnisse entscheiden und handeln, zeichnet uns als Menschen aus.

 

Manche Menschen haben nur geringe Möglichkeiten zur Selbststeuerung, weil nur ein Teil im Hirnareal hoch aktiv ist (im anderen Bereich zeigt der PET-Scanner dunkle Nacht). Wer auf dem Kontinuum der Empathieanteile sehr weit bei kalter Empathie liegt, weist damit ein zentrales Merkmal einer psychopathischen Persönlichkeit auf. Das ist eines von mehreren…