An die Untersuchung von Barry Schwartz, einem amerikanischen Psychologen am Swarthmore College in Philadelphia, musste ich denken, als ich in den vergangenen Monaten die Kataloge studierte, um WC und Bad komplett neu zu gestalten. Es ist unglaublich in welch faszinierende Welten man dabei eintauchen kann, die nur leider mit meinen realen Anforderungen (1 m2 WC und 2,5 m2 Dusche) so gar nichts zu tun haben. Aber die Fotos schauen so gut aus…

 

Ein Supermarkt stellte 24 Sorten Marmelade seinen Kunden zum Verkosten zur Verfügung. Jeder konnte nach Belieben probieren und mit Preis-Zuckerl natürlich auch kaufen.

Am folgenden Tag führte das Geschäft die Verkostung mit sechs Sorten Marmelade durch.

Das Ergebnis? Am zweiten Tag wurde zehnmal mehr Marmelade verkauft.

 

Warum das? Es scheint so zu sein: Wenn wir uns nicht leicht entscheiden können, treffen wir lieber keine Entscheidung als eine falsche Entscheidung. Das betrifft wohl alle Lebensbereiche, in denen es eine große Auswahl und schwer vergleichbare Kriterien, Maßstäbe und noch nicht etablierte Gewohnheiten gibt.

Die seitenlange Auswahl in Speisekarten, die Anzahl an Waschmitteln, Körperlotionen, Studienrichtungen, Fernsehprogrammen und Urlaubsdestinationen genauso wie die riesige Anzahl an Menschen in Partneragenturen – machen Stress. Was oder wer ist die perfekte Wahl?

 

Man kann nie sicher sein, dass man sich nicht dann doch „vergriffen“ hat und muss dann mit der falschen Entscheidung leben. Oder sie aufessen oder weiterschenken (die Verben bitte sachdienlich zuordnen).

 

In Wien gibt es 3.264 Restaurants. Also wohin gehen wir heut am Abend? Richtig dankbar bin ich darüber, dass es nur 213 Farbtöne bei RAL-Farben gibt und Sutterlüty in Dornbirn nur 125 Käsesorten in unterschiedlichen Verpackungsgrößen verkauft. Da weiß man doch gleich wohin man greift, oder?

 

Und wenn nicht? Abwarten und Tee trinken! Das Teehaus Haas&Haas bietet dazu über 200 Teesorten an.

 

Egal, zurück zu meiner Renovierung: Ich wollte sie bereits im vergangenen Jahr angehen. Und hatte sie damals wieder sein gelassen (zu langwierig, zu komplex und zu viel Schmutz). Jetzt laufen die Arbeiten. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob der Bewegungsmelder als Schalter im Bad, die Größe des Handtuchheizkörpers, die automatische Lüftung im WC, die Farbe des Waschtisches, das Muster der Fliesen… auch wirklich… na ja.

 

Was also tun?

  1. Kriterien aufstellen und sich strikt danach orientieren.
  2. Wissen, dass man (fast) nie die perfekte Wahl treffen kann.
  3. Die beste Entscheidung ist eine, die „gut genug“ ist!
  4. Sich fragen: Was ist mir dabei wirklich wichtig?

 

So kann man es sich leichtmachen und zufrieden leben. Aber ehrlich, ich möchte schon das Bestmögliche jeweils haben! Und du vermutlich auch.