Ich spreche oft mit mir selbst und habe in mir einen Gesprächspartner gefunden, der sich ehrlich für mich interessiert. Ich mag das.

 

ICH: Schön, dass du Zeit findest, dich mit mir zu unterhalten. Ich habe gehört, dass Papst  Franziskus Bischof Schönborn dazu aufgefordert hat, H.C. Strache bei der Nationalratswahl zu unterstützen.

BACKUP: Danke für die Info, warte einen Moment… ich poste das gleich auf Facebook… So erledigt!

ICH: Hast du das jetzt wirklich geschrieben?

BACKUP: Ja, und schau! 386 Freunden gefällt das und 212 haben es schon geteilt – oder geshared – wie wir in MEINER Generation das sagen.

ICH: Stop, stop! Das war doch frei erfunden! Ein Beispiel für FAKE NEWS. Oder – „an der Nase herumführen“ – wie wir das in MEINER Generation so sagen.

BACKUP: Das war aber zu simpel.  Lass dir etwas Besseres einfallen. Du wolltest auf Papst Franziskus und D. Trump anzuspielen.

ICH: Richtig. Bei der Wahl zum US-Präsidenten wurde diese Lüge über Facebook ins Netz gestellt und 1 Million mal geteilt.

BACKUP: Ich weiß. So sind die Menschen. Und ich auch. Wenn etwas so klingt, wie das, was man gerne hätte, so glaubt man das. Und das teilt man mit Freunden. Unser kritischer Geist führt ein erbärmliches Schlummerdasein.

ICH: Genau! Weil wir immer noch wie Steinzeitmenschen ticken. Damals war unser Hirn bei Verarbeitung, Bewertung, Speicherung und Abruf auf Effizienz getrimmt. Intuitive Daumenregeln waren in dieser Zeit sehr wirkungsvoll. Es gab nicht viele Informationen, die Umsetzung der wenigen bewährte sich oder man wurde ohnehin ausselektiert – vom Säbelzahntiger oder von jemand anderem.

BACKUP: Wiederhole eine Lüge oft genug, und sie wird zur Realität.

ICH: Das ist sehr klug formuliert. Durch Wiederholen einer Information bilden sich im Hirn Gedächtnisspuren, diese ermöglichen  die Erinnerung. Wir behalten ganz gut Informationen. Aber nicht woher sie stammt. Und die Fähigkeit zur Unterscheidung, was Fakten sind oder was man irgendwo gehört oder gelesen hat, verschwindet im Dunkel unseres Gedächtnisses.

BACKUP: Ich habe übrigens gelesen…

ICH: Wo?

BACKUP: In der Zeitschrift „Psychologie Heute“.

ICH: Glaubst du an „Psychologie Heute“?

BACKUP: Ja. Ich gehe davon aus, dass das, was dort steht, ausreichend recherchiert ist.

ICH: Ja, so wie andere davon ausgehen, dass das, was in Gratis-Zeitungen steht, auch stimmt. Und wenn sie es nicht glauben, brennt es sich trotzdem in ihr Hirn ein.

BACKUP: Da fällt mir ein, dass unser Vater hin und wieder gesagt hat „das ist ja hirnverbrannt“. Ob er wohl wusste, wie recht er hatte?

ICH: Was wolltest du sagen?

BACKUP: Es gibt mehrere Faktoren, die beeinflussen, was sich ins Hirn einbrennt. Erstens: Je vertrauenswürdiger jemand erscheint, desto eher glauben wir es. Zweitens: Je mehr die Botschaft den eigenen Interessen entgegen kommt und drittens: Wir sind umso leichtgläubiger, je bedeutender die Nachricht ist. Wenn dann alles halbwegs schlüssig und plausibel erscheint, kann daraus wunderbar eine zukünftige Erinnerung werden.

ICH: Das heißt: Je besser und simpler wir uns an etwas erinnern, desto wahrscheinlicher glauben wir, dass es wahr ist. So einfach sind wir gestrickt.

BACKUP: Aber zurück zu den sozialen Netzwerken. Es gibt social bots. Das sind Computerprogramme, die Nachrichten versenden. Ganz ohne Mensch. Auf der Uni in Southern California wurden im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen 2016 Nachrichten auf Twitter analysiert. Das Ergebnis: Nachrichten von Menschen wurden genauso oft geshared wie von Computern generierte Nachrichten.

ICH: Ja, das ein Beispiel für den Tiefschlaf unseres kritischen Geistes. Und noch eine schlechte Nachricht: Bildung hilft nicht! Gerade kluge Menschen scheinen noch polarisierbarer zu sein, weil sie durch vermeintliche Fakten noch eingebranntere Gedächtnisspuren haben.

BACKUP: Das einzige was da hilft ist: Emotionale Intelligenz.

ICH: Und das Hinterfragen der Quellen und der eigenen Annahmen. Das machen wir in der NLP-Ausbildung. Das Meta-Modell der Sprache ist hilfreich dabei, nicht auf jeden Schaaaß reinzufallen.

BACKUP: Na, klar, das musste ja kommen. Werbung! Aber, woher weißt du, dass der Papst nicht wirklich Bischof Schönborn einen Brief geschrieben hat wegen dem Strache?

ICH: Gar nichts weiß ich dazu. Es stimmt vielleicht ja eh. Der einzige Weg das zu erfahren ist, ihn zu fragen. Rufst du ihn an?

BACKUP: Nein, mach das selber. Nur noch eine Frage: Wie viel Blödsinn hast du schon weitererzählt, ohne dass du es wusstest?

ICH: Das weiß ich nicht. Die meisten Unwahrheiten verbreiten Menschen in „gutem Glauben“ – also ohne jegliches Wissen! Weder ich, noch andere machen das normalerweise aus Boshaftigkeit, sondern nur aus Unzulänglichkeit. Manchmal auch aus Sturheit und Verbohrtheit. Aber es gibt keine Impfung dagegen. Nur NLP…

BACKUP: Und aus jetzt!