Woher kommt es, dass wir so felsenfest überzeugt sind, dass unsere Meinung über alles und jeden richtig ist? Manchmal ist sie sogar so richtig, dass wir meinen, wenn wir uns in einer Sache zu wenig auskennen ABSOLUT RICHTIG ist, keine Meinung darüber haben – wohl gemerkt, dass das dann eine meine Meinung ist, über die hinaus es nichts Besseres gibt.

 

Also: Was fasziniert uns an unserer eigenen Meinung?

 

Mit unseren Meinungen bringen wir die Welt für uns in eine gute Ordnung. Diese harmonisch-stimmige Struktur etabliert unsere Stabilität und unseren Selbstwert. Damit das gelingt, gibt es in uns die Tendenz zur Bestätigung – Confirmation Bias.

 

Das bedeutet, wir filtern jene Indizien und Argumente heraus, die unsere Haltung, Einstellung und Meinung bestätigen. Die anderen bemerken wir gar nicht – sie werden unbewusst getilgt – das bedeutet nichts anderes als: wir sind blind und taub dafür!

 

Wer einen Parkplatz sucht – und ganz innig diesen Wunsch an den Kosmos schickt – und tatsächlich einen findet –  wird davon begeistert sein, dass „Wünschen“ funktioniert – und die Erklärung: „Jedes Auto steht am Ende einer Fahrt immer auf einem Parkplatz“ als Unsinn abtun. Wer eine Diät macht und sich dabei quält (je mühsamer desto größer die Überzeugung) und nach vielen Wochen zwei Kilo abgenommen hat, wird glücklich über die Wirkung der Maßnahmen sein – und entschieden bestreiten, dass es sich dabei um natürliche Fluktuation handeln könnte.

 

Je rechthaberischer jemand ist – ein Parameter für den Selbstwert – wird sich desto mehr anderen Sichtweisen, Standpunkten, Einstellungen, Deutungen, Zugängen, und, und, und… verweigern. Diese Tendenz der Bestätigung kann neben den durchaus harmlosen Ausdrucksformen im Alltag leider auch zu dramatischen Radikalisierungen führen. Es ist die gleiche Tendenz die dabei am Werke ist.

 

Peter Wason hat die Bestätigungs-Tendenz so definiert: Menschen neigen dazu, eine bestehende Hypothese zu festigen und zu bestätigen. Dabei sind besonders drei Tendenzen erkennbar:

  • Passend Informationen werden besser erinnert
  • Passende Informationen werden höher bewertet als gegensätzliche
  • Informationsquellen für unpassende Infos werden gemieden

 

Was können wir Menschen also tun, um nicht vollkommen neben die Spur zu geraten?

Bei all den eigenen Lieblingsüberzeugungen, Vorurteilen und Behauptungen über Gott, die Welt und die Nachbarn – zwischendurch darauf achten, was meiner felsenfesten Überzeugung widerspricht.

Wo passt etwas (obwohl ich das nicht wahrhaben möchte) nicht dazu?

 

Es ist die Strategie des Falsifizierens. Wer den Mut dazu hat, und nicht die Sorge, seine eigene Identität zu verlieren (oder dadurch die ganze erfundene Welt zusammenbricht), kann es wagen…